PETG gehört zu den meistgedruckten Filamenten überhaupt: zäh, chemikalienbeständig und deutlich gutmütiger zu verarbeiten als ABS. Mit Carbonfasern gefülltes CF-PETG verspricht darüber hinaus spürbar mehr Steifigkeit, bessere Maßhaltigkeit und eine edle, matte Oberfläche. Die Frage PETG vs CF-PETG stellt sich deshalb bei vielen Funktionsbauteilen: Reicht das Standardmaterial — oder lohnt sich der Aufpreis für die Faserverstärkung?
Die kurze Antwort: CF-PETG ist kein "besseres PETG", sondern ein anderes Werkzeug. Die Fasern machen das Material steifer und formstabiler, aber auch spröder — und sie stellen höhere Anforderungen an Düse, Trocknung und Konstruktion. Wer CF-PETG wie normales PETG behandelt, bekommt verstopfte Düsen und delaminierende Bauteile.
In diesem Vergleich zeigen wir dir, wo die Unterschiede wirklich liegen, mit welchen Druckparametern beide Materialien zuverlässig laufen und für welche Bauteile sich welches Filament rechnet.
PETG vs CF-PETG: gleiche Basis, anderes Verhalten
Beide Materialien nutzen dieselbe Polymer-Matrix: PETG (Polyethylenterephthalat, glykolmodifiziert). Bei CF-PETG werden dieser Matrix kurze, geschnittene Carbonfasern beigemischt — je nach Hersteller typischerweise 10–20 Gewichtsprozent. Die Fasern richten sich beim Extrudieren in Druckrichtung aus und wirken wie ein Skelett in der Kunststoffmatrix.
Daraus ergeben sich die drei Kerneffekte, die alle faserverstärkten Filamente teilen: deutlich höhere Steifigkeit in Faserrichtung, geringerer Verzug beim Abkühlen (die Fasern behindern die Schrumpfung) — und eine ausgeprägtere Anisotropie, also größere Festigkeitsunterschiede zwischen XY-Ebene und Z-Richtung. Die chemischen Grundeigenschaften von PETG — gute Beständigkeit gegen Wasser, Öle und viele Reiniger — bleiben dabei weitgehend erhalten.
Mechanik: Steifigkeit gegen Zähigkeit
Der wichtigste Unterschied lässt sich in einem Satz zusammenfassen: PETG ist zäh, CF-PETG ist steif. Unverstärktes PETG verformt sich unter Last elastisch, federt zurück und verzeiht Schläge — es reißt erst nach deutlicher Dehnung. CF-PETG dagegen biegt sich unter derselben Last kaum durch, bricht dafür aber ohne große Vorwarnung, wenn die Grenze erreicht ist.
| Eigenschaft | PETG | CF-PETG |
|---|---|---|
| Zugmodul (Steifigkeit) | ca. 1.500–2.100 MPa | ca. 3.500–8.000 MPa (je nach Faseranteil) |
| Bruchdehnung | hoch (deutliche plastische Verformung vor Bruch) | niedrig (wenige Prozent, sprödes Bruchbild) |
| Schlagzähigkeit | gut | geringer als PETG |
| Wärmeformbeständigkeit | ca. 70–75 °C | ca. 75–80 °C, weniger Kriechen unter Dauerlast |
| Dichte | ca. 1,27 g/cm³ | ca. 1,25–1,30 g/cm³ |
| Oberfläche | glänzend, teils transparent | matt, Layerlinien optisch kaschiert |
| Preisniveau | günstig | etwa das Doppelte bis Dreifache |
Wichtig für die Konstruktion: Die Faserverstärkung wirkt fast nur innerhalb der Schichten. Die Layerhaftung in Z-Richtung wird durch die Fasern nicht verbessert — in der Praxis ist sie oft sogar etwas schwächer, weil die Fasern die Verschmelzung der Schichten stören. Zugbelastete Bauteile solltest du deshalb so ausrichten, dass die Hauptlast in der XY-Ebene liegt, und Wandstärken eher großzügig wählen.
Druckparameter im direkten Vergleich
Beide Materialien drucken sich ähnlich — CF-PETG braucht aber etwas mehr Temperatur, weniger Kühlung und vor allem die richtige Hardware:
| Parameter | PETG | CF-PETG |
|---|---|---|
| Düsentemperatur | 230–250 °C | 240–265 °C |
| Betttemperatur | 70–85 °C | 70–85 °C |
| Bauteilkühlung | 30–50 % | 0–30 % (mehr Layerhaftung) |
| Düse | Messing ab 0,4 mm | gehärteter Stahl, besser 0,5–0,6 mm |
| Trocknung | 60–65 °C, 4–6 h | 60–70 °C, 4–8 h |
| Druckoberfläche | PEI strukturiert (auf glattem PEI zu starke Haftung) | PEI strukturiert oder glatt |
Die gehärtete Düse ist keine Empfehlung, sondern Pflicht: Carbonfasern wirken wie Schleifpapier und weiten eine Messingdüse innerhalb weniger hundert Gramm Filament messbar auf. Die Folge sind schleichende Unterextrusion und Maßfehler, lange bevor die Düse sichtbar defekt ist. Details zu Materialien und Durchmessern findest du im Beitrag zur Düsenwahl.
Beide Materialien sind hygroskopisch — CF-PETG reagiert auf Feuchtigkeit aber sichtbarer, weil die matte Oberfläche bei feuchtem Filament rau und brüchig wird. Eine konsequente Filamenttrocknung vor jedem wichtigen Druck gehört bei beiden zum Standard-Workflow.
Oberfläche, Optik und Maßhaltigkeit
Hier spielt CF-PETG seine zweite große Stärke aus. Die Fasern streuen das Licht, das Ergebnis ist eine gleichmäßig matte, technisch wirkende Oberfläche, die Layerlinien und kleine Druckartefakte optisch stark kaschiert. Sichtbauteile sehen ohne Nacharbeit fertig aus — ein Grund, warum CF-Filamente bei Gehäusen und Halterungen so beliebt sind.
Dazu kommt die Maßhaltigkeit: Weil die Fasern die thermische Schrumpfung behindern, verziehen sich große, flächige Teile aus CF-PETG deutlich weniger. Lange Profile, flache Grundplatten und Rahmen bleiben ebener, Bohrungsabstände stimmen zuverlässiger. Auch das für PETG typische Stringing fällt bei der gefüllten Variante meist schwächer aus.
PETG punktet dafür bei der Gestaltungsfreiheit: Es ist in großer Farbvielfalt und auch transluzent erhältlich, während CF-PETG praktisch immer schwarz oder dunkelgrau ist. Wer glänzende oder durchscheinende Teile braucht, hat mit CF-PETG keine Option.
Typische Fehlerbilder — und woran du sie erkennst
Beide Materialien haben charakteristische Problemzonen. Bei PETG sind das vor allem:
- Fäden und Blobs: PETG neigt konstruktionsbedingt zu Stringing — feine Fäden zwischen Bauteilinseln und angesammelte Tropfen an der Düse, die sich als Klumpen im Druck ablegen.
- Zu starke Betthaftung: Auf glattem PEI verschweißt PETG regelrecht mit der Oberfläche und kann beim Ablösen die Beschichtung mitreißen. Strukturierte Bleche oder ein Hauch Trennmittel schaffen Abhilfe.
- Knacken und Bläschen: Feuchtes Filament verdampft in der Düse — hörbares Knistern, matte raue Oberflächen und geschwächte Schichten sind die Folge.
Bei CF-PETG sehen die typischen Ausfälle anders aus:
- Verstopfte Düsen: In Düsen unter 0,4 mm verkeilen sich Faserbündel; der Druck bricht mitten im Teil ab oder wird zunehmend dünner extrudiert.
- Schleichende Unterextrusion: Eine verschlissene Düse liefert zu wenig Material — Lücken im Infill und schwache Wände, obwohl das Profil unverändert ist.
- Delamination: Zu kalte Düse oder zu viel Kühlung schwächt die ohnehin kritischere Z-Haftung; Teile brechen sauber entlang einer Schicht.
Anwendungen: wann welches Material?
PETG ist die richtige Wahl, wenn Zähigkeit, Preis oder Optik im Vordergrund stehen: Gehäuse und Abdeckungen, Behälter und Trichter, Halterungen mit Schnapp- oder Klemmfunktion, Ersatzteile im Haushalt sowie Teile mit Wasser- und Reinigerkontakt. Auch für Funktionsprototypen, bei denen Geometrien noch iteriert werden, ist das günstigere PETG meist die wirtschaftlichere Basis.
CF-PETG lohnt sich, sobald Steifigkeit und Formtreue zählen: Kamera- und Sensorhalterungen, Brackets und Adapter im Maschinenumfeld, Vorrichtungen und Montagehilfen in der Fertigung, Drohnen- und Gimbal-Komponenten sowie große flächige Teile, die eben bleiben müssen. Überall dort, wo ein PETG-Teil unter Last sichtbar nachfedert oder sich mit der Zeit verformt (Kriechen), ist die CF-Variante die bessere Antwort.
Wenn selbst CF-PETG an seine Grenzen kommt — etwa bei höheren Dauertemperaturen oder stärkerer mechanischer Beanspruchung — ist der nächste Schritt eine faserverstärkte Nylon-Variante; den Unterschied erklären wir im Vergleich PA vs. PA-CF.
Entscheidungshilfe in drei Fragen
- Federt oder bricht das Teil im Fehlerfall besser? Soll das Bauteil Stöße schlucken und sich elastisch verformen können, nimm PETG. Muss es unter Last formstabil bleiben, nimm CF-PETG.
- Wie kritisch sind Ebenheit und Maße? Große flächige Geometrien, enge Bohrbilder, verzugsarme Rahmen: CF-PETG. Unkritische Alltagsteile: PETG.
- Rechnet sich der Aufpreis? CF-PETG kostet pro Kilogramm etwa das Doppelte bis Dreifache. Bei einem 40-Gramm-Halter sind das wenige Euro Differenz — bei Serienteilen oder großvolumigen Drucken lohnt eine ehrliche Kalkulation, ob eine dickere PETG-Wandstärke nicht denselben Effekt bringt.
Häufige Fragen
Ist CF-PETG stärker als PETG?
Es ist deutlich steifer, aber nicht pauschal "stärker". Die Zugfestigkeit in Druckrichtung liegt ähnlich bis etwas höher, die Schlagzähigkeit und die Bruchdehnung sind dagegen geringer. CF-PETG bricht spröde, wo PETG sich nur verbiegt — welche Eigenschaft "stärker" bedeutet, hängt vom Lastfall ab.
Brauche ich für CF-PETG zwingend eine gehärtete Düse?
Ja. Carbonfasern schleifen Messingdüsen schon nach wenigen hundert Gramm messbar auf, was zu Unterextrusion und Maßfehlern führt. Gehärteter Stahl ist das Minimum, Düsendurchmesser 0,5–0,6 mm reduzieren zusätzlich das Verstopfungsrisiko.
Ist CF-PETG leichter als PETG?
Nein, die Dichte beider Materialien liegt fast gleichauf bei rund 1,25–1,30 g/cm³. Der Gewichtsvorteil entsteht indirekt: Weil CF-PETG steifer ist, kommst du oft mit dünneren Wänden oder weniger Infill auf dieselbe Bauteilsteifigkeit.
Kann ich CF-PETG mit meinem normalen PETG-Profil drucken?
Als Ausgangspunkt ja, unverändert nein. Erhöhe die Düsentemperatur um etwa 10–15 °C, reduziere die Bauteilkühlung deutlich und rechne mit leicht höherem Volumenstrombedarf durch die größere Düse. Betttemperatur und Haftung verhalten sich dagegen sehr ähnlich.
Sind PETG und CF-PETG UV-beständig für den Außeneinsatz?
PETG hält sich draußen ordentlich, vergilbt und versprödet aber über Jahre; die Carbonfasern ändern daran wenig. Für dauerhaft bewitterte Sichtteile ist ASA die robustere Wahl — mehr dazu im Beitrag zur UV-Beständigkeit.
Wir drucken beide Materialien auf täglich kalibrierten Maschinen — mit gehärteten Düsen und getrocknetem Filament, direkt aus Magdeburg. Jetzt Preis berechnen →
Häufige Fragen — PETG vs. CF-PETG
QFedert oder bricht das Teil im Fehlerfall besser?
QWie kritisch sind Ebenheit und Maße?
QRechnet sich der Aufpreis?
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