Nachschwingung
Nachschwingung — englisch Ringing oder Ghosting — ist das mechanische Nachschwingen des Druckkopfs oder Druckbetts nach einem abrupten Richtungswechsel. Auf der Bauteiloberfläche zeigt es sich als wellenförmiges Muster, das Konturen wie Ecken oder Logos schemenhaft wiederholt. Es tritt vor allem bei hohen Geschwindigkeiten und Beschleunigungen auf und lässt sich durch Input Shaping deutlich reduzieren.
Wie das Wellenmuster entsteht
Druckkopf und Achsen haben Masse. Bremst der Kopf an einer Kante abrupt ab und wechselt die Richtung, schwingt die Mechanik mit ihrer Eigenfrequenz nach — ähnlich einer angeschlagenen Stimmgabel. Diese Vibration überträgt sich auf die Düse, die dadurch minimal um ihre Sollbahn pendelt. Das Ergebnis sind gleichmäßige Wellen, die hinter jeder scharfen Kante oder Oberflächenstruktur herlaufen und mit zunehmendem Abstand schwächer werden. Je schneller und ruckartiger der Drucker verfährt, desto stärker fällt der Effekt aus; ein wackeliger Untergrund oder ein instabiler Rahmen verstärken ihn zusätzlich. Besonders deutlich sichtbar wird das Muster auf großen, glatten Flächen und bei glänzenden Filamenten.
Input Shaping: die wirksamste Gegenmaßnahme
Moderne Firmware misst die Resonanzfrequenzen des Druckers — meist mit einem Beschleunigungssensor am Druckkopf — und formt die Bewegungsbefehle so um, dass sich die Schwingungen gegenseitig auslöschen. Dieses Input Shaping erlaubt hohe Geschwindigkeiten bei gleichzeitig glatten Oberflächen und ist bei aktuellen Maschinen wie den Bambu-Lab-Druckern fester Bestandteil der automatischen Kalibrierung. Wichtig: Nach mechanischen Änderungen — etwa einem anderen Druckkopf oder neuen Riemen — solltest du die Kalibrierung wiederholen, weil sich die Eigenfrequenzen verschieben.
Mechanik und Einstellungen prüfen
- Riemenspannung kontrollieren: Zu lose Riemen senken die Resonanzfrequenz und verstärken das Schwingen, zu straffe erhöhen den Verschleiß.
- Schrauben und Rollen nachziehen: Spiel in Achsen, Umlenkrollen oder im Rahmen macht jedes Muster schlimmer.
- Stabiler Untergrund: Ein wackeliger Tisch schwingt mit — der Drucker gehört auf eine feste, schwere Unterlage.
- Beschleunigung reduzieren: Ohne Input Shaping hilft es, Beschleunigungs- und Jerk-Werte im Slicer zu senken — allerdings auf Kosten der Druckzeit.
Bei elbe3D kalibrieren unsere Bambu-Lab-Drucker das Input Shaping automatisch, sodass auch schnelle Drucke gleichmäßig glatte Außenflächen liefern.
Auch bekannt als: Ringing · Ghosting
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